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978-3-499-25930-2
Herrlich. Sehr böser Humor. Der Roman startet mit einem Rundumschlag auf die gehobene Mittelschicht: „…der hat bis achtzehn vermutlich gar nicht gewusst, dass Frauen an und für sich ohne Perlenohrstecker aus der Fabrik geliefert werden, der wuchs in dem Glauben auf, Frauen hätten das serienmäßig wie Zähne und Brüste und flache Mokassins mit Troddeln dran.“
Die Beschreibung von Felizitas, die alle mögen außer eben Antonia Pollak.

 

 

Antonia Pollak lebt in Wien. Sie ist gut verheiratet, hat zwei Kinder, ist Künstlerin, hat einen entsprechenden Freundeskreis. Aber sie ist gelangweilt und fühlt sich fehl am Platz.
Und bald geht sie mir mit ihrem Gejammer über das Bobo Leben auf die Nerven. Ich denke mir, vielleicht lese ich das Buch zu spät? Vielleicht hätte ich es gleich 2013 lesen sollen, damals als nur die Diskussion Fleischessen oder vegetarisch/vegan Leben die Gesellschaft spaltete und über Beziehungen entschied. Wie Antonia es so treffend formuliert: „Wie es halt unweigerlich kommt, wenn zwei fundamentalistische Religionen aufeinandertreffen.“ Wie es halt so war, damals. Vor 2015/2016.

Aber ich lese weiter. Und plötzlich harte Ehrlichkeit: Gedanken über Kindererziehung, über Mutterschaft, die katholische Kirche, Körperkult und Antonias Mann Adam -scheinbar ein Glückskind, unantastbar für das echte Leben: „Manchmal möchte ich ihm ins Geschicht schlagen und ihm etwas darüber erzählen, dass das Leben in Wirklichkeit nicht so ist, wie er es sich vorstellt.“. Antonia zieht mich immer weiter hinein in ihre Gedankenwelt und Vergangenheit. Sie lässt weder den Traum vom Landleben noch den Traum von der multikulturellen Gesellschaft in der Stadt unangetastet. Antonia ist gelangweilt und verbittert wegen ihrer Vergangenheit. Aber nicht nur.

Sie läßt uns auch an schönen Gedanken teilhaben, wie z.B. im „Ich mag Kapitel“ oder im Kapitel über den Brokeback-Mountain-Kuss – dem ersten Kuss.
Solche wunderbaren Wortfindungen sind über den ganzen Roman verteilt.

Am Ende schafft es Antonia Frieden mit ihrer Umwelt und vor allem mit sich selbst zu schließen: „Wir kommen alle von irgendwo her. Wir sind alle beschädigt. Und die meisten von uns wissen, warum sie jetzt da sind, wo sie sind. Und warum wir leben, wie wir leben, und warum wir sind, wie wir sind. Und warum wir so leben wollen, wie wir leben, warum wir genau so lieben, nicht anders.“

Besser ist ein Großstadt- und ein Entwicklungsroman.Sehr witzig, sehr sarkastisch, sehr ehrlich. Und dann natürlich Kapitel 5. An vielen Stellen erkennt man, dass Doris Knecht sehr erfolgreich Kolumnen für verschiedene Zeitungen schreibt. Schade, dass ich Wald nicht doch auch gleich mitgenommen habe. Aber, für März kündigt sich ja schon der vierte Roman an: Alles über Beziehungen. Hoffentlich mit einer Lesung am 21.03.2017 in Wien.

Zur Weiterreise:
Trailer: Gruber geht. Schöne Verfilmung von Marie Kreutzer mit Manuel Rubey.
Doris Knecht: Wald
Doris Knecht: Alles über Beziehungen. (ET:10.03.2017)

Knecht Doris: Besser. Rowohlt Verlag. Berlin. 1.Auflage März 2013. ISBN: 978 3 87134 740 5.

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