Schlagwörter

, , , , ,

es-geht-ums-tun-und-nicht-ums-siegen_160
Nicht nur Konstantin Wecker hat zur Empörung über den Zustand der Welt aufgerufen. Empörung wird zum Dauerzustand wenn man Nachrichten und öffentliche Debatten kritisch mitverfolgt. Was tun? Abschalten und sich auf das eigene Leben konzentrieren? Damit entzieht man sich seiner Verantwortung. Empörung alleine wiederum macht handlungsunfähig. Es muss einen Mittelweg geben – auf dem man in guten Gefühlen bleiben, auf sich selbst achten und sich trotzdem engagieren kann.
Diesen Weg versucht Konstantin Wecker gemeinsam mit dem Zen-Meister Bernard Glassman in Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit. aufzuzeigen.
Erschienen ist das Buch, ebenso wie Wecker‘s Album Wut und Zärtlichkeit, bereits 2011.

Die Beiden kommen abwechselnd in Monologen und Dialogen zu Wort. Über ihre unterschiedlichen Lebenswege – der Eine Zen-Aktivist, der Andere engagierter Liedermacher – versuchen sie aufzuzeichnen wie man nicht in der Empörung stecken bleibt, sondern fähig wird weise zu handeln.Wie kann der einzelne Mensch wirklich etwas in der Welt verändern? Braucht soziales und politisches Engagement eine spirituelle Quelle, um langfristig etwas zu bewegen? Für viele Menschen ist ein Humanismus, der ohne Glauben auf ein höheres Wesen auskommt, ein guter Weg.  Die beständige bzw. wieder steigende Macht der großen Religionen, aber auch das Suchen sehr vieler Menschen außerhalb der Religionen (Yoga, Schmanismus usw.) zeigt, dass die Mehrheit der Menschen glauben möchte. Deshalb finde ich es zeitgemäß und wichtig, dass Glassmann und Wecker Spiritualität in Verbindung mit politischen Engagment bringen:

„Eine wirklich neue, friedliche Politik basiert auf einer spirituellen Weltsicht. Eine Spiritualität, die alle Grenzen der Religion aufhebt, weil sie das Göttliche nicht auf Altären sucht, sondern im Menschen selbst. Wir müssen wieder zu sprechen bereit sein von der Untrennbarkeit des Menschen von der Welt, der Verbindung unserer biologischen Existenz mit dem Universum, unsere Verbundenheit mit allem, was lebt. Wir müssen wieder zu sprechen beginnen von der Liebe und Schönheit des Daseins. Und ich weiß, dass es viele Menschen gibt, die dazu bereit sind und dies bereits tun. Es ist an der Zeit, die Weisheitslehren aus Ost und West in unser aktives Handeln für eine gerechtere Welt zu integrieren. Es ist an der Zeit, die Kriege zu beenden, die Kriege in unseren Herzen, in unseren Köpfen und auf den Schlachtfeldern.“ Konstantin Wecker.

Da Glassmann Zen Meister ist, wird spirituelles Engagment mittels Buddhismus erklärt:

„Wir kultivieren das, was im Zen Anfängergeist genannt wird, d.h. allem mit offenem Geist zu begegnen und nicht mit vorgefassten Ideen und Vorstellungen davon, wie man die Dinge richten und die Probleme bewältigen könnte. Wir legen dabei Zeugnis ab von allem, dem wir begegnen, von Freude ebenso wie Leid. Anstatt die Situation nur zu beobachten, werden wir Selbst Teil der Situation. Wir machen uns vertraut mit dem was ist, auch mit Krankheit, Krieg, Armut, Tod. Wenn wir Zeugnis von dem ablegen, dann sind wir einfach da, wir fliehen nicht. Es geht darum, den Dualismus zwischen Ich als Subjekt und dem anderen als Objekt aufzulösen. Wenn wir Zeugnis ablegen wollen vom Leiden und leiden dabei selbst nicht, dann legen wir kein Zeugnis ab. Zeugnis ablegen von Freude ist Freude. Zeugnis ablegen von Leiden ist Leiden. Indem wir Zeugnis ablegen, öffnen wir den Raum für liebevolles Handeln und Heilung. Heilen heißt, die Dinge wieder ganz zu machen. Das ist die Essenz der Friedfertigkeit, denn sie beendet die Trennung und damit den Konflikt. Wenn ich die Ganzheit von mir selbst anerkenne, dann bin ich bereit, alles in mir zu erkennen, dass Gute ebenso wie das Schlechte, den Geist und den Körper, alle Seiten der Medaille.“ Bernie Glassmann.

Der Weg den Glassmann gegangen ist, ist nicht jedermanns Weg: anstatt sich in den Tempel zurückzuziehen lebt er gemeinsam mit Obdachlosen auf der Straße und meditiert mit Menschen in Auschwitz. Aber das dahinterliegende Prinzip ist von jedem Menschen anwendbar:

 „Schau einfach genau hin und frage, wie du helfen kannst. Was immer du dann auch tust, ist das Beste, was du in diesem Moment tun kannst. Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Aktivisten verurteilen nicht. Sie handeln. Sie tun, was die jeweilige Situation von ihnen erfordert.“
Bernie Glassmann.

Konstantin Wecker / Bernard Glassman (Hg. Christa Spannbauer): Es geht ums Tun und nicht ums Siegen. Engagement zwischen Wut und Zärtlichkeit. Kösel Verlag. 2011. ISBN 978-3-466-30919-1. 175 Seiten

Zur Weiterreise:
Empört Euch Konstantin Wecker LIVE 2014

Advertisements