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978-3-426-30466-2_Druck

„Eine Liebeserklärung an die Weiblichkeit.“ (Verlag)

Emma ist eine gut situierte Arztgattin Ende vierzig aus Nicaragua. Ihr Ehemann ist viel beschäftigt und als die beiden Kinder aus dem Haus sind, versucht sie ihre Tage mit Fitness und diversen Schönheitsanwendungen auszufüllen. Attraktiv zu bleiben scheint nun ihre einzige Aufgabe und ihre Lebensberechtigung zu sein.

„‘Wir Frauen sind das Öl im Getriebe des Lebens“, sagte ihr die Mutter, ‘ unsere Aufgabe ist es, das Harte weich zu machen und das Bittere süß. Solange Du das tust, wirst Du glücklich sein.‘“
Belli Gioconda: Mondhitze S. 78

Verständlich, dass sie das Ausbleiben der Periode und der Beginn der Menopause erschüttern. In trübe Gedanken vertieft verursacht sie einen Autounfall. Sie beschließt das Unfallopfer Ernesto nicht nur finanziell sondern auch persönlich während der Genesungsphase zu unterstützen. Zuerst aus Pflichtbewusstsein und um ihrem langweiligen Alltag zu entgehen, doch schon bald gesteht sie sich ein, dass sie sich von dem jüngeren Mann sexuell angezogen fühlt. Sie lässt sich auf eine Affäre mit ihm ein und wird dadurch auch in den Alltag in Ernestos Viertel hineingezogen. Die Veränderungen in ihrem Leben haben auch Einfluss auf ihren Ehemann Fernando. Und am Ende des Romans ist nichts mehr wie am Anfang.

Das Thema Menopause ist mir wie viele andere elementare Frauenthemen bisher in der Literatur noch nicht untergekommen. Belli beschreibt die negativen und positiven Seiten dieser Lebensphase gleichermaßen. Auch über Beziehungen zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern sollte nicht nur in der Literatur vielschichtiger und offener gesprochen werden. Die erotischen Szenen und auch die Beziehung zwischen Ernesto und Emma fand ich geschmackvoll geschrieben.

Die Emma, die sich Ernesto nähert, ist ihr barfüßiges Ich.“ Belli Gioconda: Mondhitze S. 163

„‘Weißt du eigentlich, Ernesto, dass du einen mit deinem Blick umarmen kannst?‘, sagt sie.[…]In diesen Tagen schlafen sie nicht miteinander. Gleichwohl trägt er sie, unterstützt und beruhigt sie, und sie spürt zum ersten Mal, wie es ist, wenn ein Mensch sie von gleich zu gleich nimmt, ohne Arroganz, ohne Paternalismus. […] Das ist es wohl, was es ihnen möglich macht, diese seltsame Beziehung zu leben, in der sie einander als ebenbürtig wahrnehmen, erwachsen, ohne sich gegenseitig etwas vormachen zu müssen.“ Belli Gioconda: Mondhitze S. 261

Ihr Lachen sprudelt aus ihr heraus wie Popcorn aus dem Topf.“ Belli Gioconda: Mondhitze S. 269

Da meine Kenntnisse von Zentralamerika bescheiden sind, haben mir Belli‘s Schilderungen der politischen und sozialen Situation des Landes einen ersten Zugang zu Nicaragua ermöglicht.

Auffallend und schön fand ich, dass die zu Beginn des Romans im Hintergrund stehende Hausangestellte Nora am Ende auch eine Stimme bekommt.

Es ist der erste Roman, denn ich von Belli gelesen habe. Gegen Ende wird Belli spirituell und bettet ihre Heldin in ein Verständnis von Weiblichkeit ein, dass ich zur Zeit an vielen Orten bemerke. Andere RezensentInnen bemängeln, dass der Roman im Vergleich zu ihren früheren Büchern und für eine Revolutionärin nicht radikal genug und zu flach sei. Ich denke aber, dass es durchaus sinnvoll ist, Tabuthemen durch einen sanfteren und schöneren Schreibstil einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Belli Gioconda: Mondhitze.
( spanische Originalausgabe: El intenso calor de la luna. 2014)
Roman. Taschenbuch, Droemer, 2017. 284 Seiten.
ISBN: 978-3-426-30466-2

Zur Weiterreise:
Belli Gioconda: Die Republik der Frauen.

 

 

 

 

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