Schlagwörter

, , , , , , ,

jonasson

In den 60er Jahren in Soweto geboren, scheint die junge Nombeko keine Zukunftsaussichten zu haben. Sie ist Analphabetin und arbeitet seit ihrem fünften Lebensjahr als Latrinnentonnenträgerin. Doch sie ist außergewöhnlich klug und bringt sich aus Langeweile selbst das Rechnen bei.

Tja, ich denk mir das so: fünfundneunzig sind fünf weniger als hundert, und zweiundneunzig acht weniger als hundert, und wenn man das jetzt umdreht und die Differenz jeweils von der anderen Zahl abzieht, kommt man beide Male auf siebenundachtzig. Und fünf mal acht ist vierzig. Siebenundachtzig vierzig. Achttausendsiebenhundertvierzig.“
Jonasson Jonas: Die Analphabetin, die rechnen konnte., S. 15

Mit neun Jahren wird sie zur Chefin der Latrinenverwaltung befördert. Mit Hinterlist bringt sie einen Latrinnentonnenträger dazu ihr Lesen beizubringen und erbt schließlich Bücher und Rohdiamanten von ihm. Damit scheint ein freies und besseres Leben in Sichtweite. Doch mit fünfzehn wird sie von einem weißen alkoholsüchtigen Ingenieur überfahren und muss ihre Strafe in einem Atomwaffenlager als Putzfrau abarbeiten.

Dort hat die südafrikanische Regierung den Ingenieur damit beauftragt mit Hilfe der israelischen Regierung, sechs Atombomben zu bauen. Doch der Ingenieur ist völlig inkompetent. Nombeko, die sich in ihrer Freizeit durch die Bibliothek des Atomwaffenlagers liest, wird aufgrund ihrer neu erworbenen Kenntnisse schnell in den Bau der Atombomben verstrickt.
Als statt der geplanten sechs Atombomben sieben gebaut werden, muss Nombeko die siebte Atombombe verschwinden lassen.Es beginnt eine verstrickte, skurrile und wahnwitzige Reise, die Nombeko bis nach Schweden bringt.

Neben dem saufenden Ingenieur muss sich Nombeko mit drei chinesischen Kunstfälscherinnen und den israelischen Agenten A und B, den Zwillingen Holger 1 und Holger 2, einem zornigen Mädchen und ihrer Großmutter, sowie internationalen Regierungsmitgliedern herumschlagen bis die Atombombe endlich in Sicherheit ist.

Ich habe „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg.“ nicht gelesen und hatte somit auf Empfehlung einer guten Freundin, das Vergnügen zum ersten mal in die schrille Welt von Jonasson einzutauchen. Am Anfang konnte ich kaum glauben auf welche skurrilen Ideen dieser Autor kommt und wie sarkastisch er mit der Weltpolitik abrechnet.

Ungefähr so lagen die Dinge, als die Welt wieder einmal zeigte, wie seltsam sie sein kann, wenn sie sich von dieser Seite zeigen will.“
Jonasson Jonas: Die Analphabetin, die rechnen konnte., S. 133

Beim Lesen musste ich mir den Autor immer wieder vorstellen, wie er da an seinem PC sitzt und mit schelmischem Lächeln im Gesicht diese Geschichte erfindet. Das politische Geschehen der letzten 60 Jahre ist ja, wenn man einzelne Begebenheiten und die internationalen Verstrickungen Revue passieren lässt, ja selbst so absurd, dass man sie nur in einer noch absurderen Geschichte verpackt verarbeiten kann.

Die Erde drehte sich schön weiter um ihre Sonne, im selben gleichbleibenden Rhythmus und mit denselben Stimmungsschwankungen wie seit Anbeginn der Tage. Nombenko las von großen und kleinen Ereignissen.〈…〉  Spannend war auch, wie das am höchsten entwickelte Land der Welt sich bei der Wahl des eigenen Präsodenten so anstellte, dass es mehrere Wochen dauerte, bis das Höchste Gericht feststellte, dass der Kandidat mit den meisten Stimmen verloren hatte. Und so wurde George W. Bush Präsident der USA, während Al Gote auf den hysterischen Umweltagitator reduziert wurde, dem nicht mal die Anarchisten in Stockholm allzu viel Gehör schenkten. Im Übrigen befahl Bush kurz darauf die Invasion des Irak, um sämtliche Waffen zu vernichten, die Saddam Hussein nicht hatte.“ Jonasson Jonas: Die Analphabetin, die rechnen konnte. S.316

„Ehemaliger Nazi zu sein, war selbstverständlich kein Hindernis, wenn man politische Karriere machen wollte. Fast alle südafrikanischen Premierminister gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts hatten einen entsprechenden Hintergrund. Die Sverigedemokrater bekamen zwar nur ein Zehntelprozent der Stimmen bei der letzten Reichstagswahl, aber ihre Rethorik zielte darauf ab, Ängste zu schüren, und Nombenko glaubte, dass den Ängsten die Zukunft gehörte, das war schon immer so gewesen.“
Jonasson Jonas: Die Analphabetin, die rechnen konnte., S. 239

Obwohl ich auch gegen Ende einige Passagen witzig fand, war mir insgesamt doch relativ früh langweilig. Ich konnte zwar nicht mit dem Lesen aufhören, doch mir hätte der Roman kürzer, wesentlich kürzer, auch gereicht. In seiner Gesamtheit fand ich den Roman dann eher sehr anstrengend; eine scheinbar nie endend wollende Aneinanderreihung von realen und erfundenen Begebenheiten. Jetzt habe ich den Jonasson auch einmal gelesen, aber ich denke ein Roman reicht dann auch wieder.

Werbeanzeigen