Schlagwörter

, , , , , , , , ,

Peter Camenzind wächst in einem kleinen, schweizer Bergdorf auf. Schon als Kind ist er ein Träumer, der lieber die Wolken beobachtet statt am elterlichen Bauernhof zu helfen oder zu lernen.

„Zeigt mir in der weiten Welt den Mann, der die Wolken besser kennt und mehr lieb hat als ich! Oder zeigt mir das Ding in der Welt, das schöner ist als Wolken sind! Sie sind Spiel und Augentrost, sie sind Segen und Gottesgabe, sie sind Zorn und Todesmacht. Sie sind zart, weich und friedlich wie die Seelen von Neugeborenen, sie sind schön, reich, und spendend wie gute Engel, sie sind dunkel, unentrinnbar und schonungslos wie die Sendboten des Todes. Sie schweben silbern in dünner Schicht, sie segeln lachend weiß mit goldenem Rand, sie stehen rastend in gelben, roten und bläulichen Farben. Sie schleichen finster und langsam wie Mörder, sie jagen sausend kopfüber wie rasende Reiter, sie hängen traurig und träumend in bleichen Höhen wie schwermütige Einsiedler. Sie haben die Formen von seligen Inseln und Formen von segnenden Engeln, sie gleichen drohenden Händen, flatternden Segeln, wandernden Kranichen. Sie schweben zwischen Gottes Himmel und der armen Erde als schöne Gleichnisse aller Menschensehnsucht, beiden angehörig – Träume der Erde, in welchen sie ihre befleckte Seele an den reinen Himmel schmiegt. Sie sind das ewige Sinnbild alles Wanderns, alles Suchens, Verlangens und Heimbegehrens.
Und so, wie sie zwischen Erde und Himmel zag und sehnend und trotzig hängen, so hängen zag und sehnend und trotzig die Seelen der Menschen zwischen Zeit und Ewigkeit.“
Hermann Hesse: Peter Camenzind. S. 19

Trotzdem schafft er es auf die Schule gehen zu dürfen. Er möchte Schriftsteller werden um den Menschen die Liebe zur Natur näher zu bringen. Bald wird er vom Fernweh, von der #wanderlust ergriffen. Als seine Mutter stirbt macht er sich auf die Reise. Er ist auf der Suche nach „dem wahren Leben“ und der großen, einzigartigen Liebe. Er findet immer wieder enge Freundschaften die ihn erfüllen. Doch in der „Frauenliebe“ hat er kein Glück: er verliebt sich zweimal, wird jedoch von beiden Frauen abgewiesen. Er vereinsamt und verbittert und sucht wie sein Vater Trost im Wein.

Um der Schwermut zu entkommen begibt er sich wieder auf Wanderung und findet Trost in der Natur und in neuen Freundschaften. Schon früh ist Franz von Assisi zu seinem Vorbild geworden, doch erst als er zurück zu seinem gealterten Vater kehrt, kann er Assisis Lehre auf sein eigenes Leben übertragen.

„So begann ich denn die schwere und süße Kunst, statt an einer schönen und bewunderten Geliebten, an einem greisen, ruppigen Trinker zu lernen.“
Hermann Hesse: Peter Camenzind. S. 102

 
Es ist eine kurze Erzählung über die Jugend, das Älterwerden und die Liebe. Viele Themen mit denen sich Hesse in seinem ersten Roman 1903 beschäftigt hat, stehen auch heute im Raum.
Ich bin angenehm satt und vollgefüllt mit Sprache und Bildern. Es ist der sinnliche Umgang mit Sprache der mir in der Gegenwart häufig fehlt – Hesse hatte ausreichend Zeit und Wörter zur Verfügung um Beobachtetes – Sehnsüchte, die menschliche Seele ebenso wie die Natur – zu beschreiben.

Zur Weiterreise:
Franz von Assisi

Hesse Hermann: Peter Camenzind. suhrkamp taschenbuch. Erste Auflage 2002. (Entstanden 1903. Erste Buchausgabe 1904). ISBN: 3-518-39867-9. 162 Seiten.

 

Werbeanzeigen